THC und Alkohol zusammen am Steuer - der Führerschein ist dann schneller weg als bei Einzelkonsum. Schon beim ersten Erwischen drohen nach § 24a StVG 500 Euro Bußgeld, 1 Monat Fahrverbot und 2 Punkte in Flensburg. Weil Mischkonsum die Fahreignung grundsätzlich in Frage stellt, ordnen Behörden fast immer eine MPU an.
Sie fragen sich, was Mischkonsum aus THC und Alkohol am Steuer konkret für Ihren Führerschein bedeutet? Weil beide Substanzen zusammen die Fahreignung grundsätzlich infrage stellen, reagiert das Fahrerlaubnisrecht hier strenger als beim Einzelkonsum. Im Folgenden klären wir, welche Grenzwerte gelten, wann die MPU angeordnet wird und wie das Verfahren abläuft.
Ein berufstätiger Fahrzeugführer wird bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle angehalten: Er hatte am Vorabend Cannabis konsumiert und danach noch Bier getrunken, beides schien ihm längst abgebaut. Die Beamten ordnen eine Blutentnahme an, der Befund legt beides offen: ein THC-Blutwert oberhalb der gesetzlichen Schwelle nach § 24a Abs. 1a StVG und Alkohol im Blut. Beim ersten Mischkonsum-Verstoß sieht der Bußgeldkatalog 1.000 Euro Regelbußgeld vor, dazu einen Monat Fahrverbot und 2 Punkte im Fahreignungsregister.
Eine Routinekontrolle, eine Blutentnahme, ein Bußgeldverfahren: Viele Betroffene halten die Sache für erledigt, sobald der Bescheid bezahlt ist. Tatsächlich beginnt das eigentliche Verfahren für den Führerschein häufig erst danach.
Denn die Fahrerlaubnisbehörde führt ein eigenständiges Eignungsüberprüfungsverfahren, das unabhängig vom Bußgeldverfahren läuft und im ungünstigsten Fall mit dem dauerhaften Entzug der Fahrerlaubnis endet.
Was die Gesetze dazu genau sagen und ab welchen Werten der Führerschein in Gefahr gerät, zeigt der folgende Abschnitt.
Welche praktische Bedeutung hat grenzwerte und gesetzliche Grundlagen: THC, Alkohol und Mischkonsum im Überblick?
Ein Blick in die gesetzlichen Regelungen zeigt, ab welchem Punkt Mischkonsum zur Ordnungswidrigkeit oder zur Straftat wird.
Ein Blick in die gesetzlichen Regelungen zeigt, ab welchem Punkt Mischkonsum zur Ordnungswidrigkeit oder zur Straftat wird.
Einschlägige Normen beim Mischkonsum
§ 24a Abs. 1a StVG: Ordnungswidrigkeit beim Führen eines Kfz mit einem THC-Blutserumwert über 3,5 ng/ml (gilt seit dem 22.08.2024). § 24a Abs. 1 StVG: Ordnungswidrigkeit bei einer Blutalkoholkonzentration (BAK) ab 0,5 Promille. § 316 StGB: Straftat bei Fahrunsicherheit infolge Alkohol, die ab 0,3 Promille plus Ausfallerscheinungen oder ab 1,1 Promille absoluter Fahruntüchtigkeit beginnt. § 24c StVG (entsprechend): Für Fahranfänger und Personen unter 21 Jahren gilt eine strengere Regelung: jeder nachweisbare THC-Wert im Blut ist verboten, der Alkohol-Grenzwert liegt bei 0,0 Promille.
Quelle öffnen →Beim Mischkonsum gilt eine wichtige Besonderheit: Wer einen THC-Blutwert über dem gesetzlichen Grenzwert aufweist, muss beim Führen eines Fahrzeugs vollständig auf Alkohol verzichten. Selbst wenn der Alkoholgehalt unterhalb der OWi-Grenze von 0,5 Promille liegt, kann die Kombination beider Substanzen als Fahreignungsmangel gewertet werden.
Was droht beim Mischkonsum? Bußgelder, Fahrverbot und Punkte auf einen Blick
Genau hier wird es praktisch: Aus der vorherigen Ebene folgt, welche Nachweise jetzt zählen.
Wer mit THC und Alkohol im Blut am Steuer erwischt wird, muss in der Regel mit Sanktionen aus mehreren Rechtsbereichen gleichzeitig rechnen.
Beim Mischkonsum werden die Tatbestände des § 24a StVG kumuliert verfolgt: Sowohl der THC-Tatbestand als auch der Alkohol-Tatbestand werden einzeln geahndet, was das Regelbußgeld auf 1.000 Euro anhebt.
Liegt die Alkohol-BAK zudem im Strafbereich, wechselt das Verfahren ins Strafrecht. Dann drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe und ein Fahrverbot von mindestens sechs Monaten.
Bußgeldbescheid oder Ladung zur MPU erhalten? Kanzlei Zmijanjac prüft den Sachverhalt, die Messwerte und das laufende Verfahren.
Kontakt aufnehmenWann ordnet die Behörde eine MPU an?
Das bedeutet für den nächsten Abschnitt: Nicht der Fehler allein entscheidet, sondern seine Begründung. Vertiefend hilft Was tun, wenn die Aufbauseminar-Frist versäumt wurde und der Führerschein entzogen ist? weiter.
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) ist die am häufigsten unterschätzte Konsequenz beim Mischkonsum.
MPU beim Mischkonsum nahezu zwingend
Bei nachgewiesenem Mischkonsum aus THC und Alkohol ordnet die Fahrerlaubnisbehörde die MPU in der Regel auch beim Erstverstoß an. Mischkonsum gilt nach Nr. 9.2.2 der Anlage 4 zur FeV als Hinweis auf mangelnde Trennungsfähigkeit oder Substanzmissbrauch, was eine Begutachtung auslöst.
Die Rechtsgrundlage liegt in § 14 Abs. 1 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). Die Behörde ist berechtigt, ein Fahreignungsgutachten anzufordern, sobald ein konkreter Verdacht auf fehlende Trennungsfähigkeit besteht.
Was prüft die MPU beim Mischkonsum konkret?
Die Begutachtung untersucht, ob das Konsumverhalten vollständig und dauerhaft geändert wurde, ob eine körperliche oder psychische Abhängigkeit vorliegt und ob das Trennungsvermögen zwischen Konsum und Fahren sicher nachgewiesen werden kann.
Wie läuft das Verfahren nach einer Kontrolle ab?
Auf dieser Grundlage lässt sich die Fristfrage sicher einordnen. Als fachlicher Anschluss passt Was tun, wenn ausländischer Führerschein in Deutschland aberkannt ist und Fahren Strafe wird?.
Für viele Betroffene ist der Ablauf unübersichtlich, weil mehrere Behörden gleichzeitig tätig werden.
- Polizei ordnet Blutentnahme an und übermittelt den Befund an die Staatsanwaltschaft. - Bußgeld- oder Strafverfahren läuft bei Staatsanwaltschaft oder Bußgeldbehörde. - Fahrerlaubnisbehörde erhält eine Mitteilung und leitet die Fahreignungsprüfung ein. - Behörde fordert ärztliches Gutachten oder MPU-Gutachten an. - Führerscheinentzug, wenn Fahreignung nicht nachgewiesen werden kann.
Das Bußgeldverfahren und das fahrerlaubnisrechtliche Verfahren laufen vollständig unabhängig voneinander. Ein bezahlter Bußgeldbescheid beendet das Verfahren der Fahrerlaubnisbehörde nicht.
Sind Messwerte anfechtbar? Was Betroffene häufig unterschätzen
Daraus folgt der nächste Schritt: Die Unterlagen müssen so geordnet werden, dass Widerspruch oder Klage tragfähig begründet werden können. Für die weitere Vorbereitung lohnt der Blick auf Was tun, wenn Auto ohne Versicherungsschutz gefahren wurde: Strafanzeige und Führerschein?.
Viele Betroffene gehen davon aus, dass ein knapper Messwert die Situation entschärft. Das ist ein Irrtum.
„Der Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum nach § 24a Abs. 1a StVG ist kein Grenzwert für Fahruntüchtigkeit, sondern ein gesetzlich festgelegter Risikogrenzwert. Auch ein Wert knapp darüber erfüllt den Tatbestand vollständig."
Dennoch können Messwerte in bestimmten Konstellationen angreifbar sein: fehlerhafte Lagerung der Blutprobe, unzureichende Dokumentation der Entnahme oder Zeitverzögerungen bei der Analyse sind Ansatzpunkte, die rechtlich geprüft werden sollten.
Was Sie vor der Checkliste einordnen sollten
Die Unterlagenliste ist kein weiterer Lesekasten, sondern die praktische Übersetzung der vorherigen Einordnung. Entscheidend ist, ob Bußgeldbescheid, Blutgutachten, Anhörungsbogen und der tatsächliche Ablauf der Kontrolle zusammenpassen. Erst wenn diese Punkte nebeneinanderliegen, lässt sich erkennen, ob nur eine Erklärung fehlt oder ob Behörde oder Gericht den Sachverhalt rechtlich falsch einordnen.
Häufige Fragen zum Mischkonsum am Steuer
Im nächsten Schritt geht es darum, die häufigsten Anschlussfragen einzuordnen. Vertiefend hilft Cannabis-Altfall: Wie Sie Ihren Führerschein neu beantragen und was gilt weiter.
Verliert man den Führerschein direkt bei der Kontrolle?
Die Polizei kann den Führerschein vorläufig einziehen, wenn ein dringender Tatverdacht auf Fahruntüchtigkeit nach § 316 StGB besteht. Im OWi-Bereich nach § 24a StVG erfolgt der Entzug erst nach Abschluss des fahrerlaubnisrechtlichen Verfahrens.
Gilt Mischkonsum auch beim gelegentlichen Konsum als Eignungsmangel?
Ja. Die Fahrerlaubnisbehörde wertet Mischkonsum unabhängig von der Konsumhäufigkeit als Hinweis auf mangelnde Trennungsfähigkeit. Das ist nach Nr. 9.2.2 der Anlage 4 zur FeV ein eigenständiger Grund für eine MPU-Anordnung.
Was passiert, wenn man die MPU verweigert?
Eine Weigerung führt in aller Regel zum Entzug der Fahrerlaubnis. Die Behörde ist berechtigt, aus der Verweigerung den Schluss zu ziehen, dass die Fahreignung fehlt.
Kann man den Führerschein nach einem Entzug zurückbekommen?
Ja. Nach Ablauf der Sperrfrist und nach bestandener MPU ist eine Neuerteilung möglich. Die gesetzliche Mindest-Sperrfrist beträgt sechs Monate; bei schwerwiegenden Verstößen kann sie erheblich länger ausfallen.
Spielt es eine Rolle, ob Cannabis legal konsumiert wurde?
Nein. Ob Cannabis legal oder illegal konsumiert wurde, ist für das OWi-Verfahren und das Fahrerlaubnisrecht ohne Bedeutung. Maßgeblich ist allein der nachgewiesene THC-Blutserumwert zum Zeitpunkt der Fahrt.
Drei Punkte, die Betroffene kennen sollten
Doch was bleibt am Ende als konkrete Handlungsregel? Als fachlicher Anschluss passt Was tun bei Fahren ohne Fahrerlaubnis: Vorladung Polizei, Strafe und Führerschein?.
Worauf es jetzt ankommt
- ◆Bußgeld und Fahrerlaubnisverfahren sind getrennte Verfahren. Wer den Bußgeldbescheid zahlt, ohne ihn prüfen zu lassen, macht die Tatsachen bestandskräftig und erleichtert der Behörde die Einleitung eines Eignungsverfahrens.
- ◆Die MPU beim Mischkonsum ist kein Standardfall. Begutachter prüfen Trennungsvermögen, Konsumkontrolle und Rückfallprognose. Wer unvorbereitet erscheint, riskiert ein negatives Gutachten, das die Wiedererteilung des Führerscheins dauerhaft blockiert.
- ◆Messwerte können angreifbar sein. Blutprobenprotokolle und Analysedokumentationen enthalten gelegentlich Fehler, die einen Tatbestand entfallen lassen. Diese Prüfung setzt voraus, dass die Akte rechtzeitig angefordert und ausgewertet wird.
Mischkonsum-Verfahren, MPU-Anordnung oder Führerscheinentzug: Nehmen Sie Kontakt mit der Kanzlei Zmijanjac auf und schildern Sie Ihren Fall. Wir prüfen die Messwerte, das Verfahren und die nächsten Schritte.
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