Wie lange ist der Führerschein nach Cannabis weg? Das hängt davon ab, ob einmalig oder regelmäßig konsumiert wurde. Bei einer Fahrt mit THC im Blut droht zunächst ein Monat Fahrverbot und 500 Euro Bußgeld nach § 24a StVG. Wer regelmäßig konsumiert, verliert die Fahrerlaubnis oft für mindestens zwölf Monate.
Sie wurden mit THC im Blut am Steuer erwischt und fragen sich, was jetzt mit Ihrem Führerschein passiert? Entscheidend ist dabei, ob ein kurzfristiges Fahrverbot oder eine dauerhafte Fahrerlaubnisentziehung droht. Im Folgenden klären wir, welche Fallgruppen das Gesetz unterscheidet, welche Normen greifen und was bei regelmäßigem Konsum rechtlich anders gilt.
Der Freitagmorgen läuft noch ruhig, als die Lichter des Streifenwagens aufleuchten: Routinekontrolle, Vortest, Blutentnahme. Wer am Vorabend Cannabis konsumiert hat und glaubte, bis zum nächsten Morgen sei alles wieder im grünen Bereich, erlebt jetzt den Widerspruch zwischen subjektivem Gefühl und Laborwert. Wochen später liegt der Anhörungsbogen im Briefkasten. Für jemanden, dessen Berufsweg täglich auf das eigene Auto angewiesen ist, beginnt damit nicht nur ein Verwaltungsvorgang, sondern eine handfeste Existenzfrage.
Ordnungswidrigkeit, Straftat oder Verwaltungsverfahren: Was das Gesetz vorsieht
Ein Blick in die gesetzlichen Grundlagen zeigt, warum Cannabis im Straßenverkehr gleich auf drei Ebenen gleichzeitig relevant werden kann.
Ein Blick in die gesetzlichen Grundlagen zeigt, warum Cannabis im Straßenverkehr gleich auf drei Ebenen gleichzeitig relevant werden kann:
Worauf es jetzt ankommt
Das Ordnungswidrigkeitenrecht greift, wenn beim Fahren THC im Blutserum oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts festgestellt wird. § 24a StVG regelt das Berauscht-Fahren und legt den Grenzwert seit der Neuregelung 2024 auf 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum fest. Folge ist ein Bußgeld und ein befristetes Fahrverbot nach § 25 StVG.
Drei Verfahrensstränge laufen gleichzeitig
Davon unabhängig läuft das Strafrecht: § 316 StGB erfasst das Fahren unter Betäubungsmitteleinfluss, wenn die Fahruntüchtigkeit nachweisbar ist. Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer kommt § 315c StGB hinzu. Strafgerichte können nach § 69 StGB die Fahrerlaubnis entziehen und nach § 69a StGB eine Sperrfrist für die Neuerteilung festsetzen.
Parallel dazu prüft die Fahrerlaubnisbehörde auf verwaltungsrechtlicher Ebene die Fahreignung. Rechtsgrundlagen sind §§ 3 Abs. 1 StVG, 46 FeV und Anlage 4 FeV Nr. 9.2.1. Dieser Strang kann völlig unabhängig vom Ausgang des Bußgeld- oder Strafverfahrens zu einem dauerhaften Entzug führen.
Was für die Einordnung zählt
Welche dieser Ebenen in einem konkreten Fall greift, hängt vor allem vom Konsummuster und den Begleitumständen der Fahrt ab.
Was für den nächsten Schritt zählt
§ 24a StVG
§ 24a StVG verbietet das Führen eines Kraftfahrzeugs, wenn im Blut THC in einer Konzentration von 3,5 ng/ml oder mehr nachweisbar ist. Daneben gilt § 25 StVG für das befristete Fahrverbot, § 69 StGB für die strafrechtliche Entziehung der Fahrerlaubnis, § 69a StGB für die Sperrfrist sowie Anlage 4 FeV Nr. 9.2.1 für den verwaltungsrechtlichen Eignungsmangel bei regelmäßigem Konsum.
Quelle öffnen →Was passiert nach der Blutentnahme konkret?
Genau hier wird es praktisch: Aus der vorherigen Ebene folgt, welche Nachweise jetzt zählen.
Nach der Blutentnahme wertet das Labor die Probe aus. Der Befund geht an die Staatsanwaltschaft oder die Bußgeldbehörde, die dann den Anhörungsbogen verschickt. Wer diesen unkommentiert zurücksendet oder den Tatvorwurf schlicht bestätigt, bringt sich in der Regel um wichtige Verteidigungsoptionen.
Bußgeld, Punkte, Fahrverbot im Überblick
Bei einem erstmaligen Verstoß gegen § 24a StVG drohen 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg und ein Fahrverbot von einem Monat. Ab dem zweiten Verstoß steigen Bußgeld und Dauer des Fahrverbots deutlich an. Das Fahrverbot nach § 25 StVG ist zeitlich begrenzt, der Führerschein bleibt vorhanden und wird nach Ablauf der Frist zurückgegeben.
Ein Anhörungsbogen ist kein Schuldeingeständnis. Lassen Sie die Aktenlage prüfen, bevor Sie antworten. Kanzlei Zmijanjac steht Ihnen für eine erste Einschätzung zur Verfügung.
Kontakt aufnehmenWann droht der dauerhafte Entzug der Fahrerlaubnis?
Das bedeutet für den nächsten Abschnitt: Nicht der Fehler allein entscheidet, sondern seine Begründung. Vertiefend hilft Was tun, wenn die Aufbauseminar-Frist versäumt wurde und der Führerschein entzogen ist? weiter.
Der wesentliche Unterschied liegt im Konsummuster. Gelegentlicher Konsum mit klarer Trennung zum Fahren kann im Rahmen des OWi-Verfahrens mit einem befristeten Fahrverbot enden. Wer hingegen regelmäßig Cannabis konsumiert, gilt nach Anlage 4 FeV Nr. 9.2.1 als nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen. Die Behörde muss in diesem Fall die Fahrerlaubnis entziehen.
Was gilt als regelmäßiger Konsum?
Die Rechtsprechung hat keine starre Tagesdosis definiert. Maßgeblich ist das Konsummuster, das sich aus dem Blutbefund, Angaben des Betroffenen und weiteren Anhaltspunkten ergibt. Hohe THC-COOH-Werte im Blut können auf chronischen Konsum hinweisen. Die Behörde kann dann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnen, bevor sie über eine Neuerteilung entscheidet.
Wer die Vorlage eines MPU-Gutachtens verweigert oder wessen Gutachten negativ ausfällt, verliert die Fahrerlaubnis unabhängig vom Ausgang des Bußgeld- oder Strafverfahrens. Der verwaltungsrechtliche Strang läuft eigenständig und endet nicht automatisch mit dem Strafverfahren.
Wie lange dauert die Sperrfrist nach strafrechtlichem Entzug?
Auf dieser Grundlage lässt sich die Fristfrage sicher einordnen. Als fachlicher Anschluss passt Was tun, wenn ausländischer Führerschein in Deutschland aberkannt ist und Fahren Strafe wird?.
Wenn ein Strafgericht nach § 69 StGB die Fahrerlaubnis entzieht, setzt es gleichzeitig eine Sperrfrist nach § 69a StGB fest. Diese beträgt mindestens sechs Monate und kann bei besonders schweren Fällen bis zu fünf Jahre oder auf unbestimmte Zeit ausgesprochen werden.
Typische Spanne in der Praxis
Erstfälle mit nachgewiesener Fahrunsicherheit durch Cannabis bewegen sich in der Praxis häufig zwischen neun und achtzehn Monaten Sperrfrist. Während dieser Zeit darf keine neue Fahrerlaubnis beantragt werden. Nach Ablauf prüft die Behörde erneut die Eignung; je nach Einzelfall ist eine MPU dann verpflichtend.
Die Sperrfrist beginnt mit der Rechtskraft des Urteils, nicht mit dem Tattag. Wer gegen das Urteil Rechtsmittel einlegt, verzögert damit auch den Beginn der Frist. Das kann in bestimmten Fallkonstellationen taktisch relevant sein.
Was tun, wenn der Bescheid ins Haus kommt?
Daraus folgt der nächste Schritt: Die Unterlagen müssen so geordnet werden, dass Widerspruch oder Klage tragfähig begründet werden können. Für die weitere Vorbereitung lohnt der Blick auf Was tun, wenn Auto ohne Versicherungsschutz gefahren wurde: Strafanzeige und Führerschein?.
Nach Erhalt des Anhörungsbogens läuft eine Frist zur Äußerung. Diese Frist sollte nicht ungenutzt verstreichen, aber eine unvorbereitete Antwort kann mehr schaden als nutzen.
Bevor Sie die nächsten Schritte prüfen
Wichtig ist zuerst die Einordnung, welche Entscheidung, Frist oder Forderung tatsächlich betroffen ist. Erst danach sollte die praktische Checkliste abgearbeitet werden. Legen Sie Unterlagen, Fristen und die bisherige Kommunikation zusammen, bevor Sie den nächsten Schritt festlegen.
Unterlagen vor dem nächsten Schritt ordnen
Legen Sie Bescheid, Nachweise, Fristen und bisherige Schreiben nebeneinander. Dadurch wird schneller klar, ob ein Antrag ergänzt, ein Widerspruch begründet oder ein neuer Schritt vorbereitet werden muss.
Häufige Fragen zum Führerscheinverlust nach Cannabis
Im nächsten Schritt geht es darum, die häufigsten Anschlussfragen einzuordnen. Vertiefend hilft Cannabis-Altfall: Wie Sie Ihren Führerschein neu beantragen und was gilt weiter.
Verliere ich den Führerschein beim ersten Mal sofort?
Beim ersten OWi-Verstoß nach § 24a StVG ist ein dauerhafter Entzug nicht automatisch die Folge. Es droht ein befristetes Fahrverbot von einem Monat. Anders liegt es, wenn die Fahrerlaubnisbehörde parallel ein Eignungsverfahren einleitet, etwa weil Anhaltspunkte für regelmäßigen Konsum bestehen.
Was ist der Unterschied zwischen Fahrverbot und Fahrerlaubnisentzug?
Beim Fahrverbot nach § 25 StVG wird der Führerschein für eine befristete Zeit einbehalten und danach zurückgegeben. Beim Entzug der Fahrerlaubnis erlischt das Recht zu fahren vollständig. Wer danach wieder fahren möchte, muss die Fahrerlaubnis neu beantragen und in der Regel eine Eignungsprüfung bestehen.
Kann eine MPU angeordnet werden, obwohl ich nur einmal erwischt wurde?
Ja. Die Behörde kann eine MPU anordnen, wenn trotz eines einmaligen Vorfalls Hinweise auf regelmäßigen Konsum oder fehlende Trennungsfähigkeit vorliegen. Hohe THC-COOH-Werte im Blutbefund sind dabei ein typischer Anlass für eine solche Anordnung.
Verliere ich mit einem Fahrverbot auch Punkte in Flensburg?
Ja. Ein Verstoß nach § 24a StVG führt zu zwei Punkten im Fahreignungsregister. Wer insgesamt acht Punkte erreicht, verliert die Fahrerlaubnis durch die Behörde, unabhängig von einzelnen Verfahren.
Gilt die neue THC-Grenze von 2024 auch für ältere Verstöße?
Nein. Die Anhebung des Grenzwerts auf 3,5 ng/ml gilt für Taten nach dem Inkrafttreten der Neuregelung. Für ältere Fälle bleibt der zum Tatzeitpunkt geltende Grenzwert maßgeblich. Bei laufenden Verfahren kann die Frage der Grenzwert-Übergangsregelung relevant sein.
Drei Punkte, die jetzt den Unterschied machen
Doch was bleibt am Ende als konkrete Handlungsregel? Als fachlicher Anschluss passt Was tun bei Fahren ohne Fahrerlaubnis: Vorladung Polizei, Strafe und Führerschein?.
Was Sie als Nächstes prüfen sollten
Der Ausgang eines Cannabis-Verfahrens im Straßenverkehr hängt weniger vom Laborwert allein ab als von der richtigen Reaktion im richtigen Moment.
Welche Unterlagen jetzt zählen
Erstens: Der Anhörungsbogen ist kein Routinedokument. Was darin steht, kann das Bußgeldverfahren, die Punkte in Flensburg und das Verwaltungsverfahren gleichzeitig beeinflussen. Wer sich äußert, ohne die Aktenlage zu kennen, verschenkt Verteidigungspotenzial.
Wo die Frist praktisch beginnt
Zweitens: Bußgeld und Fahrerlaubnisbehörde sind zwei verschiedene Verfahren. Auch wenn das Bußgeldverfahren glimpflich ausgeht oder eingestellt wird, kann die Behörde unabhängig davon die Fahrerlaubnis entziehen, wenn das Konsummuster Fragen aufwirft.
Drittens: Die MPU ist kein automatischer Bestandteil jedes Verfahrens, kann es aber werden. Wer frühzeitig weiß, in welchem Rahmen sie angeordnet werden kann, hat mehr Spielraum bei der Vorbereitung und bei der Wahl geeigneter Schritte.
Liegt ein Anhörungsbogen vor oder hat die Fahrerlaubnisbehörde bereits ein Eignungsverfahren eingeleitet, ist informiertes Handeln jetzt entscheidend. Kanzlei Zmijanjac prüft Ihren Fall und erläutert, welche Schritte sinnvoll sind. Nehmen Sie Kontakt auf.
Kontakt aufnehmen


