Was droht bei Cannabis am Steuer? Wer mit 3,5 ng/ml THC oder mehr im Blutserum fährt, zahlt sofort 500 Euro, verliert den Führerschein für einen Monat und sammelt 2 Punkte in Flensburg. Dieser Grenzwert gilt seit August 2024 nach § 24a Abs. 1a StVG. Fahranfänger und Fahrer unter 21 Jahren dürfen überhaupt kein Cannabis konsumieren.
Sie wurden nach Cannabiskonsum am Steuer kontrolliert und wollen wissen, was jetzt auf Sie zukommt? Neben Bußgeld und Punkten entscheidet der gemessene THC-Wert im Blut, ob der Führerschein dauerhaft auf dem Spiel steht. Im Folgenden klären wir, welcher Grenzwert heute gilt, ab wann eine Straftat droht und welche Sonderregeln für Fahranfänger gelten.
Wer Cannabis gelegentlich konsumiert und davon ausgeht, am nächsten Morgen wieder fahrtüchtig zu sein, unterschätzt häufig, wie lange THC im Blutserum über dem gesetzlichen Grenzwert bleiben kann. Bei einer Routinekontrolle schlägt der Drogenvortest an, eine Blutprobe wird angeordnet, und damit beginnt ein Verfahren, das die meisten Betroffenen so nicht auf dem Schirm hatten. Der Bußgeldbescheid trifft kurz darauf ein: 500 Euro Geldbuße, ein Monat Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg. Was zu diesem Zeitpunkt viele nicht wissen: Die Bußgeldbehörde ist nicht die einzige Stelle, die jetzt handelt.
Was der THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml bedeutet und welche Norm seit August 2024 gilt
Bevor wir die Einzelheiten prüfen, ist diese Grundlage wichtig für den nächsten Schritt.
Seit dem 22. August 2024 gilt in Deutschland erstmals ein gesetzlicher Wirkungsgrenzwert für THC im Straßenverkehr. § 24a Abs. 1a StVG (StVG) legt fest, dass das Führen eines Kraftfahrzeugs mit 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum oder mehr eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Ob eine tatsächliche Fahrbeeinträchtigung festgestellt wurde, spielt dabei keine Rolle.
Worauf es jetzt ankommt
Hinter diesem Grenzwert steht der wissenschaftliche Befund, dass sich ab diesem Wert eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit nicht mehr ausschließen lässt. Er löst für volljährige Fahrer außerhalb der Probezeit den früheren analytischen Nachweiswert von 1,0 ng/ml ab, der lediglich eine vorangegangene Cannabisaufnahme anzeigte, aber nichts über eine aktuelle Wirkung aussagte.
Absolutes Verbot für Fahranfänger und Fahrer unter 21 Jahren
Für Fahranfänger in der Probezeit sowie alle Personen unter 21 Jahren gilt weiterhin ein absolutes Cannabisverbot beim Fahren. Nach § 24c StVG darf diese Gruppe überhaupt kein Cannabis konsumieren und anschließend ein Fahrzeug führen. Maßgeblich ist hier ein Grenzwert von 1,0 ng/ml Blutserum. Ein Verstoß wird mit 250 Euro geahndet und zieht ebenfalls Punkte im Fahreignungsregister nach sich.
Was für die Einordnung zählt
§ 24a Abs. 1a StVG
„Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt, obwohl er 3,5 ng/ml Tetrahydrocannabinol (THC) oder mehr im Blutserum hat." Die Rechtsfolge ergibt sich aus dem Bußgeldkatalog: 500 Euro Geldbuße, 1 Monat Fahrverbot nach § 25 StVG, 2 Punkte im Fahreignungsregister. Für Fahranfänger und Personen unter 21 Jahren gilt § 24c StVG mit einem Grenzwert von 1,0 ng/ml. Gesetz: [Straßenverkehrsgesetz § 24a | https://www.gesetze-im-internet.de/stvg/__24a.html]
Quelle öffnen →Welche Sanktionen drohen konkret bei Cannabis am Steuer?
Genau hier wird es praktisch: Aus der vorherigen Ebene folgt, welche Nachweise jetzt zählen.
Für erwachsene Fahrer außerhalb der Probezeit hat ein Testergebnis ab 3,5 ng/ml THC unmittelbare Folgen auf drei Ebenen: Geldbuße, Fahrverbot und Punkte im Fahreignungsregister.
Das Fahrverbot nach § 25 StVG ist kein Wahlrecht. Es muss in voller Dauer angetreten werden und kann nicht durch eine höhere Geldzahlung ersetzt werden. Wer beruflich auf den Führerschein angewiesen ist, steht damit vor einem ernsthaften Problem.
Was bei gleichzeitigem Alkoholkonsum gilt
Wer Cannabis und Alkohol kombiniert hat und anschließend fährt, muss mit einer Geldbuße von 1.000 Euro rechnen. Die Doppelwirkung beider Substanzen gilt als besonders folgenreich für die Fahrsicherheit. Die Polizei führt bei positivem Drogenvortest deshalb regelmäßig auch eine Atemalkoholkontrolle durch.
Sie haben einen Bußgeldbescheid erhalten und fragen sich, ob der gemessene THC-Wert korrekt ist oder ob das Verfahren angreifbar ist? Kanzlei Zmijanjac prüft Ihren Fall und klärt die nächsten Schritte. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf.
Kontakt aufnehmenAb wann wird Cannabis am Steuer zur Straftat?
Das bedeutet für den nächsten Abschnitt: Nicht der Fehler allein entscheidet, sondern seine Begründung. Vertiefend hilft Was tun, wenn die Aufbauseminar-Frist versäumt wurde und der Führerschein entzogen ist? weiter.
Das Bußgeldverfahren ist nicht die einzige rechtliche Front. Wer unter dem Einfluss von Cannabis fährt und dabei die Fahrsicherheit tatsächlich beeinträchtigt, riskiert ein Strafverfahren nach § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) oder nach § 315c StGB (Gefährdung des Straßenverkehrs).
Was Sie als Nächstes prüfen sollten
§ 316 StGB greift, wenn die Fahrtüchtigkeit durch Rauschmittel so weit herabgesetzt ist, dass sicheres Führen des Fahrzeugs nicht mehr möglich ist. Ein konkreter THC-Wert ist dafür gesetzlich nicht vorgeschrieben. Gerichte stützen sich auf das Gesamtbild: Fahrweise, klinische Ausfallerscheinungen, Zeugenaussagen und den gemessenen Wert.
„Bereits eine relative Fahruntüchtigkeit genügt für eine Strafbarkeit nach § 316 StGB. Entscheidend ist nicht allein der Blutwert, sondern das Gesamtbild aus Fahrverhalten, körperlichem Zustand und Messergebnis."
Welche Konsequenzen eine Straftat im Verkehr nach sich zieht
Bei einer Verurteilung nach § 316 StGB drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Dazu kommt regelmäßig die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 69 StGB sowie eine Sperrfrist für die Wiedererteilung. Das strafrechtliche Verfahren läuft unabhängig vom Bußgeldverfahren und kann parallel dazu stattfinden.
Wer bei einer Kontrolle Ausfallerscheinungen zeigt, etwa unsicherer Gang, verlangsamte Reaktionen oder gerötete Augen, riskiert eine sofortige vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 111a StPO. Der Führerschein kann noch am selben Tag sichergestellt werden.
Was hat die Fahrerlaubnisbehörde damit zu tun?
Auf dieser Grundlage lässt sich die Fristfrage sicher einordnen. Als fachlicher Anschluss passt Was tun, wenn ausländischer Führerschein in Deutschland aberkannt ist und Fahren Strafe wird?.
Neben dem Bußgeld- oder Strafverfahren kann die Fahrerlaubnisbehörde ein eigenständiges Verfahren zur Überprüfung der Fahreignung einleiten. Das geschieht unabhängig davon, ob das Bußgeldverfahren eingestellt wird oder eine strafrechtliche Verurteilung ausbleibt.
Was für den nächsten Schritt zählt
Grundlage ist die Fahrerlaubnisverordnung (FeV). Die Behörde handelt nach eigenem Ermessen und ist nicht an den Ausgang anderer Verfahren gebunden. Bei Zweifeln an der Fahreignung kann sie eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnen.
Wann droht eine MPU?
Eine MPU kann bereits nach einem einzigen Vorfall angeordnet werden, wenn der THC-Wert deutlich über dem Grenzwert liegt oder wenn Hinweise auf regelmäßigen Konsum vorliegen. Wer die MPU nicht besteht, verliert die Fahrerlaubnis. Eine Vorbereitung ohne anwaltliche Begleitung ist in den meisten Fällen nicht ratsam.
Betroffene erhalten in solchen Fällen Post der Fahrerlaubnisbehörde mit einer Aufforderung zur Beibringung eines Gutachtens. Diese Schreiben enthalten eigene Fristen, die unabhängig von allen anderen Verfahren laufen und nicht ignoriert werden dürfen.
Was sollten Betroffene nach einer Kontrolle konkret tun?
Daraus folgt der nächste Schritt: Die Unterlagen müssen so geordnet werden, dass Widerspruch oder Klage tragfähig begründet werden können. Für die weitere Vorbereitung lohnt der Blick auf Was tun, wenn Auto ohne Versicherungsschutz gefahren wurde: Strafanzeige und Führerschein?.
Nach einer Kontrolle mit positivem Drogentest ist Zurückhaltung der erste und wichtigste Schritt. Weder gegenüber der Polizei noch im späteren Verfahren besteht eine Pflicht, Angaben zur Sache zu machen. Eine unüberlegte Aussage kann das Verfahren erschweren, auch wenn sie gut gemeint war.
Praktisch heißt das: Der nächste Schritt sollte nicht aus Bauchgefühl entstehen, sondern aus Akte, Frist und belegbarem Sachverhalt. Prüfen Sie erst, welche Unterlagen wirklich vorliegen, welche Erklärung fehlt und ob die behördliche oder gerichtliche Einordnung rechtlich tragfähig ist. So bleibt die Entscheidung belastbar.
Bevor Sie die nächsten Schritte prüfen
Wichtig ist zuerst die Einordnung, welche Entscheidung, Frist oder Forderung tatsächlich betroffen ist. Erst danach sollte die praktische Checkliste abgearbeitet werden. Legen Sie Unterlagen, Fristen und die bisherige Kommunikation zusammen, bevor Sie den nächsten Schritt festlegen.
Die Einspruchsfrist gegen einen Bußgeldbescheid beträgt zwei Wochen ab Zustellung. Wer sie versäumt, verliert die Möglichkeit, inhaltlich prüfen zu lassen, ob der Vorwurf in dieser Form zutrifft.
Häufige Fragen zu Cannabis am Steuer
Im nächsten Schritt geht es darum, die häufigsten Anschlussfragen einzuordnen. Vertiefend hilft Cannabis-Altfall: Wie Sie Ihren Führerschein neu beantragen und was gilt weiter.
Wie lange ist THC nach dem Konsum noch im Blut nachweisbar?
Das hängt maßgeblich von der Konsumhäufigkeit ab. Bei gelegentlichem Konsum kann THC wenige Stunden bis etwa einen Tag im Blutserum über dem Grenzwert von 3,5 ng/ml liegen. Bei regelmäßigem Konsum kann die Nachweiszeit deutlich länger sein. Der Grenzwert bezieht sich auf THC selbst, nicht auf den Abbaumetaboliten THC-COOH, der im Urin erheblich länger nachweisbar ist.
Kann ich gegen den Bußgeldbescheid vorgehen?
Ja. Innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung kann Einspruch eingelegt werden. Das Gericht prüft den Sachverhalt dann erneut. Angreifbar sind unter anderem Fehler bei der Blutentnahme, Probleme bei der Lagerung der Probe, Verfahrensmängel oder die Frage, ob der gemessene Wert zum Zeitpunkt des Fahrens tatsächlich vorlag.
Was passiert, wenn ich die MPU nicht bestehe?
Die Fahrerlaubnis wird entzogen. Eine Wiedererteilung setzt voraus, dass die Behörde die Fahreignung erneut feststellt. Das erfordert in der Regel eine neue MPU nach einem nachgewiesenen Abstinenz- oder Kontrollzeitraum. Die genauen Anforderungen hängen vom Einzelfall ab.
Gilt der Grenzwert auch für medizinisch verordnetes Cannabis?
Im Grundsatz ja. Wer medizinisches Cannabis einnimmt und anschließend fährt, kann ebenfalls in den Anwendungsbereich des § 24a Abs. 1a StVG fallen. Ob Ausnahmen greifen, hängt von der konkreten ärztlichen Verordnung, der Dosierung und dem individuellen Gesundheitszustand ab. Dieser Punkt muss im Einzelfall geprüft werden.
Reicht ein einmaliger Vorfall für den Führerscheinentzug durch die Behörde?
Ja, das ist möglich. Die Fahrerlaubnisbehörde kann bereits nach einem einzigen Vorfall eine MPU anordnen, wenn der THC-Wert erheblich über dem Grenzwert liegt oder Hinweise auf regelmäßigen Konsum vorliegen. Ein laufendes Bußgeldverfahren schützt nicht vor einem parallelen behördlichen Fahreignungsverfahren.
Drei Punkte, die nach einer Kontrolle über den Führerschein entscheiden
Doch was bleibt am Ende als konkrete Handlungsregel? Als fachlicher Anschluss passt Was tun bei Fahren ohne Fahrerlaubnis: Vorladung Polizei, Strafe und Führerschein?.
Welche Unterlagen jetzt zählen
Erstens: Der gemessene THC-Wert ist nicht zwingend das letzte Wort. Blutprobenverfahren sind fehleranfällig. Mängel bei der Entnahme, der Lagerung oder der Auswertung können die Verwertbarkeit des Messergebnisses in Frage stellen. Das passiert nicht automatisch, aber es ist ein Prüfpunkt, den Betroffene nicht übergehen sollten.
Wo die Frist praktisch beginnt
Zweitens: Das Bußgeldverfahren und das Fahrerlaubnisverfahren laufen parallel und unabhängig voneinander. Wer nur auf den Bußgeldbescheid reagiert, übersieht möglicherweise, dass die Fahrerlaubnisbehörde gleichzeitig eigene Schritte einleitet, mit eigenen Fristen und weitreichenden Konsequenzen.
Was jetzt praktisch wichtig ist
Drittens: Fristen laufen sofort. Die Einspruchsfrist beim Bußgeldbescheid beträgt zwei Wochen ab Zustellung. Wer abwartet, verliert Handlungsspielraum und damit die Möglichkeit, den Vorwurf inhaltlich überprüfen zu lassen.
Wurden Sie nach einer Cannabis-Kontrolle mit einem Bußgeldbescheid oder Post der Fahrerlaubnisbehörde konfrontiert? Kanzlei Zmijanjac prüft Ihren Fall und bespricht mit Ihnen, welche Schritte jetzt sinnvoll sind. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf.
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